Mein Zahlungsanbieter hat mich gesperrt – weil ich Adult-Inhalte anbiete. Was jetzt?
Für viele Betreiber von Webseiten beginnt die Geschichte immer gleich. Man startet ein neues Projekt, richtet einen Zahlungsanbieter ein und freut sich darüber, dass Kunden unkompliziert bezahlen können. Die ersten Umsätze kommen herein, alles funktioniert und das Thema Payment verschwindet irgendwo auf der Liste der Dinge, über die man sich keine Gedanken machen muss. Bis zu dem Tag, an dem plötzlich eine E-Mail im Postfach landet. Das Konto wurde eingeschränkt. Die Auszahlung wurde pausiert. Der Vertrag wurde gekündigt. Oder noch schlimmer: Der Zahlungsanbieter möchte die Geschäftsbeziehung mit sofortiger Wirkung beenden.
Gerade Betreiber von Erotikseiten, Adult-Plattformen, Webcam-Angeboten, Fetisch-Projekten oder anderen sogenannten High-Risk-Geschäften erleben genau diese Situation häufiger, als viele glauben.
Warum Zahlungsanbieter Adult-Inhalte oft ablehnen
Viele bekannte Zahlungsanbieter wie PayPal, Stripe, Mollie, Square oder ähnliche Unternehmen richten sich in erster Linie an klassische Online-Shops, Dienstleister und normale digitale Geschäftsmodelle. Adult-Inhalte gehören häufig nicht zu den Branchen, die diese Anbieter aktiv unterstützen möchten.
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen spielen regulatorische Anforderungen eine Rolle. Altersverifikation, Identitätsprüfungen und Dokumentationspflichten sind in der Erotikbranche deutlich umfangreicher als beispielsweise beim Verkauf von T-Shirts oder Küchenzubehör. Zum anderen betrachten viele Zahlungsanbieter die Branche grundsätzlich als risikoreicher.
Hinzu kommen Themen wie Rückbuchungen, Betrugsversuche, unterschiedliche Gesetzgebungen in verschiedenen Ländern oder die Anforderungen von Banken und Kreditkartenorganisationen wie Visa und Mastercard. Viele Anbieter entscheiden sich deshalb für den einfachsten Weg und schließen bestimmte Branchen vollständig aus.
Das bedeutet nicht automatisch, dass dein Geschäft unseriös ist. Es bedeutet lediglich, dass dein Geschäftsmodell nicht in das Risikoprofil dieses Anbieters passt.
Warum die Sperrung oft überraschend kommt
Viele Betreiber sind überzeugt, alles korrekt gemacht zu haben. Die Webseite ist online, die Inhalte sind legal, die Kunden zahlen und es gab bislang keine Probleme. Genau deshalb trifft eine Sperrung viele Menschen völlig unerwartet.
Das Problem ist, dass manche Anbieter bei der Anmeldung nur oberflächlich prüfen oder zunächst geringe Umsätze tolerieren. Erst später erfolgen detailliertere Kontrollen. Spätestens wenn höhere Umsätze entstehen, bestimmte Begriffe auf der Webseite auftauchen oder interne Prüfungen durchgeführt werden, fällt das Projekt möglicherweise in eine Kategorie, die der Anbieter nicht bedienen möchte.
Dann folgt häufig die Kündigung.
Nicht weil etwas Illegales passiert ist.
Sondern weil das Geschäftsmodell nicht zu den internen Richtlinien passt.
High Risk bedeutet nicht automatisch gefährlich
Der Begriff High Risk wird oft missverstanden. Viele Menschen denken dabei sofort an Betrug oder illegale Aktivitäten. Tatsächlich beschreibt High Risk zunächst lediglich eine Risikobewertung aus Sicht von Banken und Zahlungsdienstleistern.
Zu den typischen High-Risk-Branchen gehören unter anderem:
- Adult und Erotik
- Dating-Portale
- Abo-Modelle
- Gaming
- CBD-Produkte
- Reisebranche
- Kryptowährungen
- Coaching-Modelle mit hohen Ticketpreisen
Viele dieser Branchen sind vollkommen legal und erwirtschaften jedes Jahr Milliardenumsätze. Trotzdem gelten sie aus Sicht der Zahlungsindustrie als risikoreicher als andere Geschäftsmodelle.
Warum normale Payment-Lösungen oft nicht ausreichen
Genau hier liegt einer der häufigsten Fehler. Viele Betreiber starten mit einer Lösung, die eigentlich nie für ihr Geschäftsmodell gedacht war.
PayPal funktioniert vielleicht zunächst.
Stripe akzeptiert die Anmeldung.
Mollie wirkt unkompliziert.
Alles läuft problemlos.
Bis es plötzlich nicht mehr läuft.
Wer dauerhaft in einer High-Risk-Branche tätig ist, sollte deshalb möglichst früh darüber nachdenken, ob die gewählte Payment-Lösung langfristig überhaupt geeignet ist. Denn ein funktionierendes Zahlungssystem gehört zu den wichtigsten Bestandteilen jedes Online-Geschäfts. Ohne funktionierende Zahlungen gibt es keine Umsätze. Ohne Umsätze gibt es kein Geschäft.
Warum spezialisierte High-Risk-Anbieter existieren
Genau aus diesem Grund gibt es Unternehmen, die sich bewusst auf High-Risk-Branchen spezialisiert haben. Diese Anbieter kennen die Besonderheiten der Erotikbranche, wissen mit den Anforderungen von Visa und Mastercard umzugehen und verfügen häufig über Banken und Acquirer, die solche Geschäftsmodelle ausdrücklich unterstützen.
Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass High-Risk-Anbieter nicht überrascht sind, wenn eine Webseite Adult-Inhalte anbietet. Genau dafür wurden sie aufgebaut.
Während klassische Zahlungsanbieter häufig versuchen, Risiken zu vermeiden, beschäftigen sich High-Risk-Anbieter täglich mit genau diesen Themen.
Die eigentliche Lektion hinter solchen Sperrungen
Viele Betreiber betrachten eine Sperrung zunächst als Problem. In Wirklichkeit ist sie häufig ein Hinweis auf etwas anderes.
Nämlich auf Abhängigkeit.
Wer sein gesamtes Geschäftsmodell auf einen einzigen Zahlungsanbieter aufbaut, begibt sich in eine ähnliche Situation wie jemand, der seine komplette Reichweite nur auf einer Plattform aufbaut. Solange alles funktioniert, wirkt die Entscheidung vernünftig. Sobald sich die Rahmenbedingungen ändern, wird die Abhängigkeit sichtbar.
Deshalb lohnt es sich, Payment nicht als technische Nebensache zu betrachten. Es ist ein zentraler Bestandteil jedes Online-Business.
Die gute Nachricht
Wenn dein Zahlungsanbieter dein Konto gesperrt hat, bedeutet das nicht automatisch das Ende deines Projekts. In vielen Fällen bedeutet es lediglich, dass du die falsche Payment-Lösung für dein Geschäftsmodell gewählt hast.
Adult-Inhalte, Fetisch-Angebote, Webcam-Portale, Content-Plattformen und andere High-Risk-Projekte benötigen oft andere Strukturen als klassische Online-Shops.
Genau dafür existieren spezialisierte Lösungen.
Und genau deshalb beschäftigen wir uns auf Behind The Webcam regelmäßig mit Themen rund um Payment, Kontrolle, digitale Unabhängigkeit und die besonderen Herausforderungen der Erotikbranche.
Denn manchmal besteht die Lösung nicht darin, das Geschäftsmodell zu ändern.
Sondern den richtigen Partner für das Geschäftsmodell zu finden.
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