Warum so viele Menschen Creator verurteilen – obwohl sie selbst heimlich konsumieren
Was mir bei Dating-Shows immer wieder auffällt
In den letzten Wochen habe ich einige Folgen einer Dating-Sendung gesehen. Das Prinzip ist simpel. Menschen lernen sich kennen. Und wenn das Interesse fehlt, platzt der Ballon. Eigentlich ein unterhaltsames Format.
Trotzdem ist mir immer wieder dieselbe Sache aufgefallen. Sobald jemand erwähnt, dass er oder sie Inhalte auf OnlyFans verkauft oder in der Erotikbranche arbeitet, verändert sich die Stimmung schlagartig.
Plötzlich fallen Begriffe wie: „Hure.“ „Keine Frau für eine Beziehung.“ „Respekt verloren.“ „Mit so jemandem könnte ich niemals zusammen sein.“
Und ehrlich? Ich finde das traurig.
Ich arbeite seit meinem 18. Lebensjahr in dieser Branche
Deshalb sehe ich viele Dinge vermutlich etwas anders als die meisten Menschen.
Ich kenne Camgirls. Ich kenne Dominas. Ich kenne Fetischmodelle. Ich kenne Pornodarsteller. Ich kenne Betreiber. Ich kenne Entwickler. Ich kenne Payment-Unternehmen. Ich kenne die Menschen hinter den Kulissen.
Und weißt du, was mir dabei aufgefallen ist? Die meisten sind erschreckend normal. (So, wie ich auch.)
Die wenigsten entsprechen dem Klischee
Viele Menschen stellen sich die Adult-Branche völlig falsch vor. Als würde dort jeder ständig Sex haben. Als würde jeder jeden ausnutzen. Als gäbe es keine Gefühle. Keine Grenzen. Keine Beziehungen. Keine Moral.
Die Realität ist meistens deutlich langweiliger. Viele stehen morgens auf. Trinken Kaffee. Gehen mit dem Hund spazieren. Bezahlen ihre Steuern. Ärgern sich über das Finanzamt. Bestellen Essen. Telefonieren mit ihren Eltern. Und drehen zwischendurch eben Inhalte.
Mehr passiert da häufig gar nicht.
Menschen reduzieren andere auf einen einzigen Beruf
Was mich viel mehr beschäftigt: Warum glauben wir eigentlich, dass ein Beruf den kompletten Charakter eines Menschen beschreibt? Wenn jemand bei McDonald’s arbeitet, ist er doch nicht automatisch dumm. Ein Banker ist nicht automatisch arrogant. Eine Krankenschwester ist nicht automatisch ein Engel. Und eine Frau mit OnlyFans ist auch nicht automatisch beziehungsunfähig.
Trotzdem passiert genau das ständig.
Die Doppelmoral ist beeindruckend
Noch spannender wird es, wenn dieselben Männer anfangen zu urteilen. Viele schreiben unter Videos: „Mit so einer würde ich niemals zusammen sein.“
Die gleiche Person konsumiert aber möglicherweise sehr wahrscheinlich selbst Pornos. Hat vielleicht ein OnlyFans-Abo. War schon einmal im Bordell. Oder folgt auf Instagram hunderten leicht bekleideten Frauen.
Verstehen musst du das nicht. Ich tue es jedenfalls nicht.
Niemand muss die Adult-Branche mögen
Und damit wir uns nicht falsch verstehen. Niemand muss Pornografie mögen. Niemand muss OnlyFans gut finden. Niemand muss Camgirls daten wollen. Das ist völlig legitim. Jeder Mensch darf seine eigenen Grenzen haben.
Aber zwischen: „Das passt nicht zu mir.“ und „Du bist weniger wert.“ liegen Welten.
Du bist mehr als dein Beruf
Vielleicht liest diesen Artikel gerade jemand, der selbst Inhalte verkauft. Vielleicht hast du deswegen schon Freunde verloren. Vielleicht wurdest du beschimpft. Vielleicht wurdest du sogar von deiner Familie verurteilt.
Dann möchte ich dir etwas sagen. Du bist nicht dein Beruf. Du bist nicht dein OnlyFans. Du bist nicht deine Webcam. Du bist nicht dein Fetisch. Du bist ein Mensch.
Mit Stärken. Mit Fehlern. Mit Träumen. Mit schlechten Tagen. Mit guten Tagen. Wie jeder andere auch.
Bei mir musst du dich nicht rechtfertigen
Vielleicht liegt das daran, dass ich diese Branche inzwischen so lange kenne. Mich interessiert nicht, ob du Camgirl bist. Ob du Domina bist. Ob du Fetischmodel bist. Ob du KI-Content produzierst. Ob du Telefonsex machst. Oder ob du gerade erst darüber nachdenkst.
Mich interessiert viel mehr, wie du als Mensch bist. Ob du ehrlich bist. Ob du respektvoll bist. Ob du dein Business vernünftig aufbauen möchtest.
Der Rest ist für mich zweitrangig.
An die Männer
Und weil ich weiß, dass diesen Blog auch Männer lesen. Eine kleine Bitte. Wenn du keine Frau daten möchtest, die in der Adult-Branche arbeitet… Dann tu das nicht. Niemand zwingt dich dazu.
Aber hör auf, Menschen deshalb abzuwerten. Du kennst ihre Geschichte nicht. Du kennst ihre Beweggründe nicht. Du kennst ihr Leben nicht.
Ein Beruf entscheidet nicht darüber, ob jemand loyal, liebevoll, intelligent oder ein guter Partner ist.
Diese Eigenschaften lernst du erst kennen, wenn du den Menschen kennenlernst.
Fazit
Ich wünsche mir ehrlich, dass wir irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem wir Menschen wieder etwas differenzierter betrachten. Nicht jeder muss dieselben Werte teilen. Nicht jeder muss dieselben Entscheidungen treffen.
Aber Respekt kostet nichts. Und genau deshalb soll Behind The Webcam auch ein Ort sein, an dem niemand Angst haben muss, für seine Arbeit verurteilt zu werden.
Wenn du seriös arbeiten möchtest. Wenn du Fragen hast. Wenn du etwas aufbauen möchtest. Dann bist du hier willkommen.
Ganz egal, was andere darüber denken.
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