Warum High-Risk-Payment so teuer ist – und Stripe so günstig
Wer zum ersten Mal Angebote von Zahlungsanbietern vergleicht, erschrickt häufig über die Preisunterschiede. Auf der einen Seite stehen Anbieter wie Stripe mit Gebühren von beispielsweise 1,9 % plus 0,25 Euro pro Transaktion. Auf der anderen Seite stehen High-Risk-Payment-Anbieter, die plötzlich 10 %, 12 % oder sogar deutlich mehr verlangen.
Die erste Reaktion lautet oft: „Das ist doch völlig überteuert.“ Oder: „Wie kann das sein?“ Schließlich verarbeiten beide Unternehmen Kreditkartenzahlungen. Warum verlangt der eine Anbieter knapp zwei Prozent und der andere vielleicht das Fünffache?
Die Antwort ist eigentlich erstaunlich einfach: Beide Unternehmen tragen völlig unterschiedliche Risiken.
Fangen wir mit Stripe an
Stellen wir uns einen ganz normalen Online-Shop vor. Du verkaufst T-Shirts. Deine Kunden kommen überwiegend aus Deutschland. Die Ware wird verschickt, Reklamationen sind selten und Rückbuchungen kommen kaum vor. Es gibt keine Altersverifikation, keine komplizierten Anforderungen von Visa oder Mastercard und keine Diskussionen darüber, ob die angebotenen Inhalte erlaubt sind oder nicht.
Für Stripe ist das ein vergleichsweise einfaches Geschäft. Das Risiko ist niedrig, die Prozesse sind standardisiert und Millionen ähnlicher Händler nutzen dieselbe Infrastruktur. Genau deshalb kann Stripe sehr günstige Preise anbieten.
Nehmen wir einmal 10.000 Euro Umsatz als Beispiel. Bei einer Gebühr von 1,9 % fallen zunächst 190 Euro an. Kommen 100 Transaktionen hinzu, kostet die feste Gebühr weitere 25 Euro. Insgesamt entstehen also Kosten von rund 215 Euro. Dem Händler bleiben 9.785 Euro.
Aus Sicht von Stripe ist das ein hervorragendes Geschäft. Viele Händler, wenig Risiko und ein sauber kalkulierbares Modell.
Jetzt schauen wir uns Adult-Payment an
Nehmen wir dieselben 10.000 Euro Umsatz. Diesmal handelt es sich jedoch um eine Webcam-Seite, eine Fetisch-Plattform, eine Content-Creator-Seite oder andere erotische Inhalte.
Plötzlich verändert sich die Situation komplett.
Viele Banken möchten mit dieser Branche gar nichts zu tun haben. Manche Zahlungsanbieter lehnen solche Projekte grundsätzlich ab. Chargebacks treten statistisch häufiger auf. Visa und Mastercard stellen zusätzliche Anforderungen. Teilweise werden Sicherheitsreserven verlangt. Teilweise müssen Händler intensiver geprüft werden. Teilweise werden Auszahlungen zurückgehalten, um mögliche Risiken abzusichern.
Während Stripe aus Millionen risikoarmer Händlern auswählen kann, gibt es im Adult-Bereich deutlich weniger Unternehmen, die überhaupt bereit sind, solche Geschäfte zu verarbeiten. Genau hier entsteht der Preisunterschied.
Angebot und Nachfrage spielen ebenfalls eine Rolle
Man kann sich das wie bei einer Versicherung vorstellen.
Wenn du einen normalen Familienwagen versichern möchtest, reißen sich zahlreiche Versicherungen um dich. Der Wettbewerb ist groß und die Preise bleiben niedrig.
Möchtest du dagegen einen Rennwagen versichern, mit dem du jedes Wochenende über die Rennstrecke fährst, sieht die Situation plötzlich anders aus. Viele Versicherungen lehnen ab. Einige möchten den Kunden gar nicht haben. Und die wenigen Anbieter, die bereit sind, das Risiko zu übernehmen, verlangen entsprechend höhere Beiträge.
Nicht weil sie böse sind.
Sondern weil sie ein höheres Risiko tragen.
Genau dasselbe passiert im High-Risk-Payment.
Ein echtes Rechenbeispiel
Nehmen wir als Beispiel Pay4Coins.
Wichtig ist dabei: Jedes Projekt wird individuell bewertet. Nicht jeder Händler erhält dieselben Konditionen. Manche Projekte liegen darüber, manche darunter. Für dieses Beispiel nehmen wir jedoch eine unserer besten Auszahlungsquoten.
Der Händler erhält 89 % brutto ausgezahlt. Das entspricht Gebühren von 11 %.
Bei 10.000 Euro Umsatz bedeutet das:
- Umsatz: 10.000 Euro
- Auszahlung: 8.900 Euro
- Gebühren: 1.100 Euro
Spätestens hier sagen viele Menschen: „Moment mal. Stripe kostet mich 215 Euro und Pay4Coins 1.100 Euro. Das ist doch verrückt.“
Und genau an dieser Stelle wird häufig der falsche Vergleich gezogen.
Stripe würde das Geschäft oft gar nicht annehmen
Der Vergleich funktioniert nämlich nur theoretisch.
In der Praxis bekommt ein Adult-Projekt bei Stripe häufig überhaupt keine Freigabe. Oder das Konto wird später eingeschränkt. Oder der Vertrag wird gekündigt. Oder bestimmte Inhalte sind laut Richtlinien schlicht nicht erlaubt.
Der tatsächliche Vergleich lautet deshalb oft nicht:
Stripe für 215 Euro oder Pay4Coins für 1.100 Euro.
Der tatsächliche Vergleich lautet eher:
8.900 Euro Auszahlung oder 0 Euro Auszahlung.
Denn wenn niemand bereit ist, dein Geschäftsmodell zu verarbeiten, spielt die Höhe der Gebühren plötzlich keine große Rolle mehr.
Wo landen die 11 Prozent eigentlich?
Ein weiterer Irrtum besteht darin zu glauben, die gesamten 11 % würden einfach beim Payment-Anbieter bleiben.
Tatsächlich hängen an einer einzigen Kreditkartenzahlung zahlreiche Unternehmen. Banken verdienen mit. Acquirer verdienen mit. Visa und Mastercard verdienen mit. Technische Dienstleister verdienen mit. Hinzu kommen Betrugsprävention, Risikomanagement, Monitoring, Compliance und verschiedene Sicherheitsmaßnahmen.
Je höher das Risiko einer Branche eingeschätzt wird, desto mehr Anforderungen entstehen im Hintergrund. Und jede einzelne dieser Anforderungen verursacht Kosten.
Das ist einer der Gründe, warum High-Risk-Payment deutlich teurer ist als Standard-Payment.
Die falsche Frage
Viele Händler stellen die Frage: „Warum kostet High-Risk-Payment 11 Prozent?“
Die spannendere Frage lautet oft: „Warum ist Stripe überhaupt so günstig?“
Stripe verarbeitet Millionen risikoarmer Händler. Stripe kann sich seine Kunden aussuchen. Stripe kann Branchen ablehnen, die nicht zum eigenen Geschäftsmodell passen. Stripe muss viele Risiken gar nicht übernehmen.
Ein spezialisierter High-Risk-Anbieter macht dagegen genau das Gegenteil. Sein Geschäft besteht darin, die Projekte zu betreuen, die andere Anbieter nicht haben möchten.
Am Ende zählt die Realität
Natürlich wären 2 % Gebühren schöner als 11 %. Das würde vermutlich jeder Händler sofort unterschreiben.
Doch die Realität sieht häufig anders aus. Wer in einer Branche arbeitet, die Banken, Acquirer und Zahlungsanbieter als risikoreich einstufen, wird fast immer höhere Kosten tragen müssen. Das gilt nicht nur für Erotikseiten, sondern auch für viele andere High-Risk-Branchen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Warum kostet High-Risk-Payment mehr?“
Die entscheidende Frage lautet: „Was kostet es mich, wenn ich überhaupt keine funktionierende Payment-Lösung habe?“
Denn ein teurer Zahlungsanbieter kann Umsätze ermöglichen. Ein günstiger Zahlungsanbieter, der dein Geschäftsmodell nicht akzeptiert, kann das nicht.
Und genau deshalb sind Gebühren im High-Risk-Bereich oft weniger eine Frage des Preises als eine Frage der Verfügbarkeit.
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